Bauen und Pflegen

Klima. Gerecht. 2035

Unter diesem Motto hat die Landessynode im Januar 2022 beschlossen, dass die Evangelische Kirche im Rheinland bis 2035 treibhausgasneutral werden soll. Gebäude verursachen, neben Mobilität und Beschaffungen, mit mehr als 80 Prozent die meisten Treibhausgasemissionen in unserer Landeskirche. Sie bieten zugleich den größten Hebel für Maßnahmen, um dem Ziel näher zu kommen. Mithilfe einer Gebäudebedarfsplanung soll entschieden werden, welche Gebäude langfristig für den kirchlichen Betrieb erhalten bleiben. Um diese Objekte treibhausgasneutral zu ertüchtigen, ist ein Umstieg auf erneuerbare Energien wesentlich. Aber auch Energieeffizienz ist Voraussetzung, damit Energiekosten auch zukünftig bezahlbar sind.

„Die Treibhausgasneutralität ist ein großes Projekt, das uns viel abverlangen wird“, sagte der damalige Superintendent Pfarrer Hans-Joachim Wefers mit Blick auf die Synodaltagung des Evangelischen Kirchenkreises Kleve im Juni 2023. „Wir wirken als Kirche am Erhalt der Schöpfung mit“, so Wefers, „unter anderem auch, um unserem eigenen Anspruch gerecht zu werden.“

In der praktischen Umsetzung dieser ambitionierten Zielsetzung galt es nachfolgend zu klären: Welcher Sanierungsbedarf ist da, was ist mittelfristig bezahlbar, was wird für die Gemeindearbeit nach dem Jahr 2030 an Infrastruktur, Gebäuden und Personal benötigt?

Mit einer intensiven Baubegehung unter fachlicher Unterstützung durch den Kirchenkreis und nachfolgenden Beratungen im Presbyterium haben wir für unsere Gemeinde eine sogenannte Gebäudestrategie erstellt. Diese geht von Annahmen und Zielvorstellungen für die Gemeindearbeit jenseits 2030 aus und leitet daraus den Gebäudebedarf ab. Diesen Bedarf gilt es nun in eine konkrete Planung für die Gebäude zu überführen.

Die Heilig-Geist-Kirche ist aufgrund des Denkmalstatus hinsichtlich der Gebäudehülle ausgenommen. Lediglich die mit Gas betriebene Heizung muss modifiziert werden.

Für Gemeinde- und Wohnhaus jedoch mussten Lösungen gefunden werden, die eine zukunftsfähige Infrastruktur für den Bedarf der Gemeinde jenseits 2030 gewährleisten. Die aus den frühen 60er Jahren stammende Gebäudehülle bietet nicht die Möglichkeit für eine zeitlich und finanziell sicher kalkulierbare Sanierung im dem Umfang, der einen treibhausgasneutralen Betrieb ermöglicht. Das Presbyterium hat daher entschieden, eine Neubaulösung anzugehen. Gegenwärtig werden in einem beschränkten Architekturwettbewerb Lösungsvorschläge für den Bedarf der Gemeinde erarbeitet, die im November einer Jury vorgestellt und von dieser prämiert werden.

Nähere Informationen zu diesem Vorhaben wird es bei der Gemeindeversammlung am 1. November geben.


Bauen und Pflegen – eine Generationenaufgabe

Die Geschichte unserer Heilig-Geist-Kirche (HGK) ist eng verbunden mit Zerstörung und Wiederaufbau, mit Umgestaltung und Generationen, die sich um Ihren Erhalt verdient gemacht haben. All diese Arbeit und Mühe, das Engagement und Herzblut, das in dieses Gotteshaus eingebracht wurde, verpflichtet und, mit gleichem Eifer fortzufahren.

Unsere Großmütter und Großväter haben die HGK nach dem Krieg in wirtschaftlich unvorstellbar schweren Zeiten wieder aufgebaut. Vor kurzem erst konnten wir die Erinnerung an das Richtfest vor 75 Jahren am 23.04.1950 wachrufen.

1970 Außen- und Dachreparaturen inclusive Glockenturm mit Erweiterung des Glockenspiels von 16 auf 24 Glocken

1971/72 Abbruch von Sakristei, Heizung und Kanzel; Erneuerung von Putz und Elektroinstallation – in der Zeit fanden die Gottesdienste in der Kapuzinerkirche und Maria-Magdalena statt

1972 Bau der neuen Sakristei mit neuer Heizung sowie Neugestaltung der Empore, Einbau des Windfangs am Eingang, Erneuerung des Zugangs zum Dachboden und Installation einer neuen Beleuchtungsanlage

1973 Einbau neuer Fenster, eines neuen Bodens sowie Neugestaltung des Altarraums

1975 Erwerb einer neuen Orgel zum Preis von 91.300 DM, deren Indienststellung und Einspielung vor 50 Jahren wir zu Ostern 2025 feiern konnten

Heute stehen wir vor der nahezu identischen Aufgabe: Orgel und Glockenspiel sind bereits überholt, Reparaturen an Fenstern, Boden, den Portalen und den Fassaden stehen in nächster Zeit an. Ein Sanierungspaket im Wert von rund 330.000 Euro ist geschnürt, die denkmalrechtliche Genehmigung eingeholt, auch die landeskirchliche Genehmigung liegt mittlerweile vor, so dass wir noch in diesem Jahr mit den Arbeiten beginnen können. Der aufwändigste Teil dabei ist sicher die Sanierung der Fenster.

Dieses ambitionierte Vorhaben ist die Aufgabe unserer Generation, um das uns anvertraute Gotteshaus fit zu machen für die nächsten 50 Jahre.

Fenster der Heilig-Geist-Kirche

Im September 1973 wurden unsere Kirchenfenster nach Entwürfen des Künstlers Manfred Espeter von der Firma Derix in Kevelaer gefertigt und eingebaut. Die Arbeiten wurden auf dem damaligen Stand der Handwerkskunst und mit Materialien der 70er Jahre ausgeführt. Unter thermischen und klimatischen Belastungen sind mit der Zeit einige Schwachstellen dieser Konstruktion zutage getreten, die zuteilst erheblichen Schäden geführt haben. Diese Schäden haben weitgehend gleiche Ursachen: Leinöl löst sich in Form von gelblichen „Tränen“ aus dem mehr als 50 Jahre alten Kitt, mit dem die jeweils 9 bzw. 17 Bleiglassegmente in die gusseisernen Rahmen eingesetzt wurden. Der Kitt versprödet, platzt auf und eindringendes Regen- oder Kondenswasser setzt die Korrosion der Rahmen in Gang. In der Folge entstehen Spannungsrisse im inwendigen Blei- oder äußeren Schutzglas. Ferner sind Blei- und Schutzglas ohne Hinterlüftung eingesetzt worden, wodurch die Glasflächen innen beschlagen und nebelig eintrüben.

Aus jedem Fenster müssen daher jetzt die Segmente ausgelöst, der Rahmen instandgesetzt, Schäden an den Segmenten repariert und die Schutzverglasung erneuert werden. Diese Arbeit wird in mehreren Tranchen mit jeweils vier bis fünf Fenstern ausgeführt, beginnend an der Ecke Gelder- und Breestraße und dann fortschreitend entgegen dem Uhrzeigersinn. Daraus resultieren insgesamt vier Bauabschnitte, deren letzter etwa Mitte 2027 fertiggestellt sein wird.

Während der Reinigungsphasen wird auch unsere Orgel mit einem konstruktiven Staubschutz versehen sein und zum Beginn der jeweiligen Bauabschnitte für einige Wochen schweigen. Nach und nach werden die Fenster in neuem klaren Glanz erstrahlen. Die farbigen Lichtbrechungen dürften noch einmal faszinierender sein und uns für den zwischenzeitlichen Baustellenbetrieb entschädigen.


 

  • Johannes Amting (Presbyter - Baukirchmeister)

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