Klänge des Glockenspiels im Turm unserer Heilig-Geist-Kirche gehören seit dem Tag der Glockenweihe am 17. Juni 1956 zur akustischen Umgebung unserer Stadt. Sie sind zu hören sonntags vor dem Gottesdienst, täglich zu bestimmten Zeiten und immer mit aktuellen Melodien, entweder passend zum Kirchenjahr, zur Jahreszeit oder zu einem Kirchenlied des Gottesdienstes. „Es verhilft dem Gotteshaus der evangelischen Gemeinde zu einer wohlklingenden Präsenz im Himmel über Geldern.“, so Bernhard Keuck in der Festschrift 600 Jahre Heilig-Geist in Geldern 1415 – 2015.
Anfangs waren es 16 Glocken, die durch Spenden finanziert werden konnten und in einer festlichen Zeremonie eingeweiht wurden. 1970 erfolgte dann die Erweiterung auf insgesamt 24 Glocken. Diese wurden bis ins Jahr 2024 von einem heute recht urtümlich anmutenden Spieltisch aus bedient. Dabei wurden die Klöppel durch Tastenanschlag über Relais und einen Elektromagneten angeregt. Daneben konnte das Geläut zu festgelegten Zeiten über eine Papierrolle automatisch angesteuert werden (sog. „Welte-System“, ursprünglich für Orgeln entwickelt, patentiert 1883). Auf der Rolle waren die Melodien zunächst in gewachstes Papier gestanzt, später in eine Kunststofffolie, vergleichbar mit den Lochstreifen oder Lochkarten für frühe Computermodelle. Zum jahreszeitlichen Melodiewechsel musste dann die Rolle aufwändig und äußerst vorsichtig ausgetauscht werden. Diese technische Lösung ist mittlerweile Geschichte.
Nach einer überaus erfolgreichen Spendenaktion konnte 2024 die umfassende Modernisierung erfolgen. Zusammen mit einer gründlichen Überholung der mechanischen Anteile erfolgte die Umstellung des Spieltisches von der weitgehend unveränderten und kaum mehr versorgbaren Elektro-Mechanik der 50er Jahre auf eine digitalisierte Version. Im Kern ist das ein Computer mit einem Anwendungsprogramm für Glockenspiele, der über eine angeschlossene Klaviatur angesteuert oder mit hoher Flexibilität auf bis zu 200 gespeicherte Melodien zurückgreifen kann. So können wir jeden Sonntag vor dem Gottesdienst das Kirchenlied des Tages von unserer Kantorin live gespielt hören. Ferner sind Sätze von Kirchenliedern durch sie auf das Steuergerät übertragen worden, die angepasst an den kirchlichen Jahreszyklus im täglichen und wöchentlichen Wechsel um 06:30, 12:30 und 18:30 Uhr erklingen. In diese wechselnden Sätze können auch Wünsche der Gemeindemitglieder für bestimmte Kirchenlieder aufgenommen werden. Ein Aushang im Schaukasten am Gemeindehaus informiert über das aktuelle Tages- und Wochenprogramm.
70 Jahre Glockenspiel
Aus Anlass der Einweihung des Glockenspiels am 17. Juni vor 70 Jahren soll noch einmal ein Blick auf dieses markante Merkmal unserer Heilig-Geist-Kirche geworfen werden. Mit einer äußerst erfolgreichen Spendenaktion konnte damals der erste Satz von 16 Glocken sowie die zugehörige Steuerungseinrichtung beschafft werden. Den Spendern wurde die Möglichkeit geboten, für 20 Pfennige je Buschstabe von der Möglichkeit der „erhabenen Wiedergabe der Stifternamen“ Gebrauch zu machen. Folgende Namen finden sich auf den Glocken:
e2 Karl Hess und Anneliese geb. Pulver
fis2 Herbert Krausse und Brigitte geb. Kögel
a2 Familie Stahl-Schwarzer
cis3 Evangelische Frauenhilfe
d3 Familie Dr. Echternacht
es3 Stadt Geldern
f3 Charlotte Binder
fis3 Kreissparkasse
g3 Otto Kutz · Kurt u. Elisabeth Ehrich · Karl Vogt u. Else geb. van Vulpen
gis3 Gustav Adolf-Frauenwerk Rheinland · Konfirmanden Geldern und Veert
a3 Familie Overbruck · Familie Karl Hilgers

Über die Einweihung des Glockenspiels befindet sich im Kirchenarchiv folgender Bericht:
Am Sonntag, den 17. Juni 1956 konnte die Ev. Kirchengemeinde Geldern einen besonderen Feiertag mit der Einweihung des Glockenspiels begehen. Aus unzählig vielen Gaben und größeren Stiftungen, u.a. auch von auswärts, aber auch von der Stadt Geldern und der Kreissparkasse Geldern wurde der Betrag aufgebracht, der dieses Werk finanzierte. Die Firma Gebr. Rincker in Sinn/Dillkreis hat die Glocken gegossen, die Firma Korfhage lieferte die elektrischen Einrichtungen, wie Uhrwerk, Hammerwerk und Spieltisch, Handwerker aus der Stadt Geldern haben die Montagearbeiten übernommen.
Nach der feierlichen Indienstnahme des Glockenspiels im Gottesdienst wurden erst die 16 Töne der Glocken einzeln, dann in der chromatischen Tonfolge vorgeführt, alsdann spielte das Glockenwerk hintereinander die 6 Lieder, die in der Trinitatiszeit jeweils an zwei Tagen morgens, mittags und abends zu hören sind: „Morgenglanz der Ewigkeit“, „Lobe den Herren“, „Breit aus die Flügel beide“, am 2. Tag „Früh am Morgen Jesus gehet“, „Ach bleib mit deiner Gnade“ und „Der Mond ist aufgegangen“.
Zwischen den einzelnen Liedern, die immer in zwei Strophen erklingen, wurden die Verfasser der Texte, die Schöpfer der Melodien und ein oder zwei Verse des Liedes verlesen. Am Schluss des Gottesdienstes hörte man dann zum ersten Mal den Stundenschlag. Die volle Stunde leitet sich ein mit 16 Tönen nach der Melodie „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“. Die dankbare Gemeinde schloss den Gottesdienst mit einem allgemeinen Fürbittengebet, Segen und Ausgangslied.


1970 wurde zur chromatischen Komplettierung der zwei verfügbaren Oktaven die Anzahl der Glocken auf 24 erhöht. Mit der Einrüstung der digitalen Spielsteuerung Mitte 2024 konnten wir – wiederum durch zahlreiche Spenden unterstützt – die Zukunftsfähigkeit der Anlage sichern. Hierzu findet sich ein Bericht unserer Kantorin Jeehyun Park im Gemeindebrief Juni-August 2024.
